Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe
 
 

Chronik der Innung

1935  Gründung der Innung.
 
1954  Einweihung der eigenen Geschäftsstelle in der Schwindstraße 8.

Das Jahr 1955 wurde zu einem wirtschaftlich erfolgreichen Jahr in Deutschland. Die Wirtschaft wuchs um 10,5 Prozent, die Löhne stiegen und der Kfz-Bestand vergrößerte sich um 19 Prozent. Noch 1948 fuhren Automobile mit Holzvergaser über die leeren Autobahnen, jetzt bildeten sich in der Urlaubszeit die ersten Staus Richtung Süden. Die Automobilhersteller setzen auf Größe und Geschwindigkeit, wobei die Angebotspalette vom Kleinwagen bis zum Straßenkreuzer reichte. Industrie und Dienstleister konnten innerhalb weniger Jahre zwei Millionen Arbeitslose absorbieren.

1954 zog die Innung Frankfurt und Main-Taunus-Kreis aus den Räumen der Handwerkskammer in eine eigene Geschäftsstelle in die Schwindstraße 8 im Westen Frankfurts. Bereits im Jahr 1960 keimte zum ersten Mal der Gedanke einer eigenen Lehrstätte, der bei der Jahreshauptversammlung am 9. Dezember vertieft wurde: „Heute steht fest, dass die überbetriebliche Ausbildung in einer Lehrwerkstatt dringend geboten ist. In dieser Lehrwerkstatt soll dann für die Lehrlinge eine zusätzliche Ausbildung, für die Gesellen eine Weiterbildung und für die Mitglieder und Betriebsführer eine Möglichkeit, die neuesten technischen Errungenschaften kennenzulernen, geschaffen werden.“ Bei der Idee sollte es nicht bleiben, so dass dem Antrag auf Errichtung einer Lehrwerkstatt für das Kraftfahrzeughandwerk von den Versammlungsteilnehmern stattgegeben wurde - bei einer Gegenstimme und zwei Stimmenenthaltungen. Die Innung hatte mittlerweile 300 Mitglieder und jährlich 350 neue Lehrlinge. Im April 1962 wurde der Innung von der Wirtschaftsförderungsstelle das Gelände des Hofgutes in Praunheim angeboten. Richtungweisend und vorausschauend wurden die heutigen Geschäftsräume im ehemaligen Hofgut Praunheim im Jahr 1963 bezogen. Beim Einzug der Innung lag sogar noch Stroh in den Ställen und ein großer Misthaufen im Hof, aber Dank des Weitblicks der Vorstandsmitglieder wurden Grund und Boden schnell in Erbpacht von der Stadt Frankfurt übernommen. Durch freiwillige Geld- und Sachspenden konnte der 1. Bauabschnitt durchgeführt und ein Werkraum fertiggestellt und eingerichtet werden. 1964 wurden in diesem Raum die ersten Gesellenprüfungen abgenommen. Auch dieser Schritt wäre ohne die vielen engagierten Mitglieder nicht möglich gewesen, die zur Weitervermittlung und zum Erhalt ihres Fachwissens rund 100.000 DM zusammentrugen. 


1963  Umzug der Geschäftsstelle in das ehemalige Hofgut in der Heerstraße 149, Frankfurt-Praunheim.

1964  Beginn der Überbetrieblichen Ausbildung auf Beschluß der Innungsversammlung.
 
1967  Die Meisterschule des Kfz-Handwerks nimmt ihre Arbeit auf. 

1969  Erster Landesentscheid des praktischen Leistungswettbewerbs der Hessischen Handwerkwerksjugend in der Lehrstätte. 

1970  Errichtung der Schiedsstelle für das Kfz-Handwerk.

Eine Schiedsstelle für Kunden und Mitglieder

Viele Menschen, noch mehr Verhandlungen und eine erstaunliche Anzahl an Verträgen. Das bringt letztlich auch Streit und Unstimmigkeiten mit sich. Aus diesem Grund errichtete die Innung des Kraftfahrzeuggewerbes Frankfurt und Main-Taunus-Kreis im Jahr 1970 eine Schiedsstelle zur außergerichtlichen Beilegung von Streitigkeiten zwischen Kunden und Mitgliedern. Unter §1 der Geschäftsordung werden die Aufgaben wie folgt definiert: „Die Schiedskommission hat die Aufgabe, Streitigkeiten zwischen den Kunden und Mitgliedern der angeschlossenen Innungen über die Notwendigkeit von Reparaturen, über die handwerklich einwandfreie Durchführung von Werkstattleistungen, über die Angemessenheit der Reparaturrechnung und aus dem Verkauf gebrauchter Personenwagen gütlich beizulegen.“

Die Schiedskommission wird durch den Kunden oder durch das Innungsmitglied tätig. Zunächst wird geprüft, ob die Beanstandungen zwischen den Beteiligten vorweg geklärt werden können. Ist dies nicht möglich, so holt die Geschäftsstelle das schriftliche Einverständnis beider Parteien zur Durchführung eines Schiedskommissions-Verfahrens ein und legt den Vorgang der Schiedskommission vor. Diese versucht in jedem Stadium des Verfahrens einen Vergleich zwischen den streitenden Parteien herbeizuführen. Einigen sich die Parteien nicht, so entscheidet die Schiedskommission durch Erstellung eines Schiedsgutachtens. Dieses wird mit Stimmenmehrheit beschlossen. Der Rechtsweg wird aber auch durch ein Schiedsgutachten nicht ausgeschlossen.

Die Notwendigkeit einer Schiedsstelle, kam bereits zwei Jahre später deutlich zum Ausdruck, als 182 Fälle die Schiedsstelle an ihre damalige Kapazitätsgrenze führte. 1970 war die Frankfurter Schiedsstelle die dritte in Deutschland - nach Hamburg und München. Im Jahr 1975 gingen 945 Reklamationen bei der Schiedsstelle ein, 523 Fälle mussten mangels Zuständigkeit abgewiesen werden. 388 Beanstandungen konnten im Vorverfahren abgeschlossen werden, während 11 Beschwerden vor die Schiedskommission kamen. Von diesen 11 Beschwerden, wurden 6 Vergleiche zwischen Kunde und Betrieb erreicht, in drei Fällen konnte keine Entscheidung getroffen werden und zwei Reklamationen wurden abgewiesen. Im Jahr 1981 waren es bereits 88 Schiedsstellen im ganzen Land. Die Zahlen sprechen für sich: bis 1981 gab es 4.400 Beschwerden, die bei der Frankfurter Schiedsstelle eingegangen sind – davon musste nur in 89 Fällen die Schiedskommission eingeschaltet werden.

 

1980 – 1989 Zwischen Ökonomie und Ökologie

In den 80er Jahren wurde der Konflikt zwischen Ökonomie und Ökologie zum Hauptthema der Landespolitik. Die Automobilindustrie hatte mit dem Problem zu kämpfen, ihre Sonderstellung unter den Konsumgütern zu verlieren. Bedingt durch die ständig vergrößerte Distanz zwischen Arbeit und Wohnen, kam es häufiger zu Staus – auf dem Weg zur Arbeit, auf dem Weg nach Hause und auf dem Weg in das verlängerte Wochenende. Umweltaktivisten machten das Auto für nahezu alle Probleme verantwortlich. Neben der Umweltfreundlichkeit, wird auch der Sicherheitsaspekt, sowie die Gestaltung des Innenraums immer wichtiger. 

Der Gasantrieb

In der Automobilwirtschaft wurde die Forderung nach mehr Wirtschaftlichkeit zur Senkung des Benzinverbrauchs immer lauter. Das hatte zur Folge, dass die Auto-Firmen einige beachtliche technische Weiterentwicklungen auf den Markt brachten, die vielfach unter dem Motto „Energie sparen“ standen. Immer mehr Bundesbürger rüsteten ihre Autos auf umweltfreundlichen Gasantrieb um. Die Vorteile des Gasantriebs liegen begründet in niedrigeren Betriebskosten, der Motor ist leiser, verbraucht weniger Öl und lebt sogar länger. Außerdem werden bei der Verbrennung des Autogases 96 Prozent weniger Kohlenmonoxid-Stoffe in die Luft abgegeben, und die Abgase sind blei- und schwefelfrei. Dennoch setzte sich der Gasmotor bislang nicht durch.

Dem Erdgasantrieb widmete BMW zwei Modelle. Die Akzeptanz blieb allerdings gering, was wohl dem Preis und dem Verlust an Innenraum zuzuschreiben war. Hinzu kam, dass das Versorgungsnetz noch nicht als ausgreift bezeichnet werden konnte. Daimler-Benz zeigte mit einer verbesserten Brennstoffzelle eine interessante und zukunftsträchtige Alternative. Das Streben nach Verbrauchs- und Abgasminimierung führte zum ersten direkteinspritzenden Dieselmotor mit Vierventiltechnik bei Opel.

In der von Benzinpreiserhöhungen und weltweiter Wirtschaftsrezession ausgelösten Krise der Automobilindustrie ging es den westdeutschen Herstellern vergleichsweise gut: Während weltweit die Autoproduktion im Jahr 1982 zurückging, konnten die Deutschen ein Plus verzeichnen. Mit der Herstellung von 4,14 Mio. Kraftfahrzeugen konnte die Bundesrepublik 1982 ihre Spitzenstellung in Europa behaupten und näherte sich wieder dem Rekordjahr 1979. Damit konnten die Deutschen sogar den Japanern Paroli bieten, die in den 70er Jahren auf den europäischen und US-amerikanischen Markt drängten und bei der Produktion ihrer vergleichsweise billigen Autos zeitweilig zweistellige Zuwachsraten erzielen konnten.

 
1981  Der Landesverband Hessen des Kraftfahrzeug-Gewerbes verleiht der Lehrstätte und Meisterschule den Titel "Landesfachschule des Kfz-Gewerbes". 

1983  Erwerb des Grundstücks Heerstraße 149 von der Stadt Frankfurt.
 
1989  Bezug des neuen Gewerbegebäudes der Innung.

1990 – 1999  Vereinigtes Deutschland

In der Jahreshauptversammlung am 29. Mai 1990 eröffnete der Obermeister Jürgen Karpinski die Sitzung mit einer Welle des Optimismus: „Der größte Autoboom dieses Jahrhunderts wird in diesem jetzt beginnenden Jahrzehnt stattfinden. Ein Verzicht auf den fahrbaren Untersatz kann es gar nicht geben.“ Zwar gäbe es viele kritische Einwände gegen das Auto aufgrund eines gewachsenen Umweltbewusstseins, doch müsse auch festgestellt werden, dass die Automobilindustrie gerade auf dem Sektor Umweltschutz sehr große Anstrengungen unternommen habe, die Umweltverträglichkeit des Pkw weiter zu verbessern. Obermeister Karpinski wies auf das Auto als Wirtschaftsfaktor von allergrößter Bedeutung hin. Letztlich hinge jeder siebte Arbeitsplatz in der BRD vom Auto ab. Ein Jahrzehnt, das mit einer derart positiv, schwungvollen Einschätzung der Lage startet, konnte letztlich nur ein gutes werden. 

In den 90er Jahren ließ sich ein Rückgang der Beliebtheit des Kfz-Gewerbes verzeichnen. Berufe wie Werkzeugmechaniker, Fräser und Dreher waren bei den Jugendlichen weitaus beliebter. Die Kfz-Innung Frankfurt und Main-Taunus-Kreis nahm die Aufgabe an und entschied sich für eine verstärkte Nachwuchswerbung. Wie so oft, sollte die Innung auch dieses gesetzte Ziel erreichen.

Im Jahr 1993 fand in Frankfurt erstmals die „Berufsbildungsmesse“ statt. Unternehmen aus Handel, Industrie und Handwerk machten drei Tage Werbung für ihre Ausbildungsberufe. In erstklassicher Lage, direkt vor der Börse, konnten sich Schülerinnen und Schüler über Ausbildungsangebote informieren. Ausbilder der Landesfachschule und Auszubildende aus Innungsbetrieben, standen für Beratungsgespräche zur Verfügung. Seitdem ist die Berufsbildungsmesse im Jahresplan der Innung ein fester Termin.

Die Handwerkskammer Rhein-Main richtete 2000 erstmals den „Renntag des Handwerks“ aus. Auf einem regulären Galopprenntag auf der Pferderennbahn in Frankfurt Niederrad, fand parallel zu den Rennen eine Show des Handwerks statt. Die Handwerksinnungen informierten über aktuelle Themen und über Ausbildungsmöglichkeiten. Auch hier engagiert sich die Kfz-Innung jedes Jahr.

Die Weltproduktion an Automobilen ging 1991 zurück. Von dieser negativen Entwicklung waren praktisch alle Produktionsländer mit Ausnahme von Deutschland und Spanien betroffen. Der  Zuwachs in Deutschland ist eine Folge der Vereinigung, die zudem bewirkte, dass Deutschland mit 35,5 Mio. Stück zum Land mit dem weltweit höchsten Gesamtbestand an Kraftfahrzeugen aufstieg – direkt hinter den USA.

Nach dem Vereinigungsboom normalisierte sich die Konjunktur zunächst, um dann stark abzufallen. Dabei wurde das Auto als für den Bürger unverzichtbar erkannt und gleichzeitig als Umweltsünder beklagt. Der Verband des Kfz-Gewerbes wehrte sich gegen diese Verteufelung: „Schwarzes Schaf und Melkkuh zugleich, das geht nicht auf Dauer!“
 
1992  Errichtung einer Kantine
 
1993  Fertigstellung des Neubaus für das neue "Berufsbildungs- und Technologiezentrum der Landesfachschule" in Gebäude "C"
 
1993  Eröffnung der neuen Geschäftsstelle der Kraftfahrzeuginnung in Gebäude "A"

1997 Moderner EDV-Raum für 24 Teilnehmer

2000 Umbau des Wohnheimes in 1 bzw. 2 Zimmer Einheiten
 
2002 Bau einer modernen Lackiererei sowie 2 neue, große Lehrsäle in Gebäude "B"
 
2003 Neuer Sanitärbereich in Gebäude "A"
 
2004 Umbau Werkstatt Gebäude "A2", drei neue Rolltore, 3 Bühnen
 
2006 Umbau Werkstatt Gebäude "A1", drei neue Rolltore, 3 Bühnen
 
2006 Bau der Werkstatt Gebäude "B", 900m², 8 Bühnen
 
2009 Einweihung der neuen Geschäftstelle in Gebäude "C"
 

  
 

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